Die deutsche Uhr mit dem Schweizer Tick verabschiedet sich: Nach mehr als drei Jahrzehnten schließt die Saarbrücker Uhrenmarke NIVREL bis Juli 2027 ihre Türen – geordnet, selbstbestimmt und mit einem großen Abschiedsfest.
Saarbrücken, im September 2026. Mechanische Uhren haben eine schöne Eigenschaft: Man kann sie aufziehen, immer wieder – und irgendwann entscheidet ihr Besitzer, sie behutsam abzulegen. Genau diesen Moment hat die Familie hinter der Saarbrücker Uhrenmarke NIVREL nun gewählt. Im Juli 2027 wird die Marke ihre Türen schließen – geordnet und selbstbestimmt. Bis dahin gibt es die letzten Uhren der Marke zu erwerben, und ein großes Abschiedsfest wird die Geschichte von NIVREL gemeinsam mit Kunden, Freunden und Weggefährten würdigen.
Eine Marke mit zwei Leben
Die Geschichte von NIVREL beginnt nicht in Saarbrücken, sondern im Schweizer Jura. 1850 gründeten Marc und Emmanuel Didisheim in St. Imier die Uhrenmanufaktur Marvin, die 1936 die Marke NIVREL einführte. Unter diesem Namen entstanden Herrenuhren mit Chronographen- und Kalenderkomplikationen sowie elegante Damenuhren – bis die Quarzkrise Ende der 1970er Jahre Marvin und NIVREL wie so viele große Namen vom Markt verschwinden ließ.
Dass die Marke ein zweites Leben bekam, verdankt sie einer Saarbrücker Familie, deren handwerkliche Wurzeln bis ins Jahr 1891 zurückreichen: Damals eröffnete Goldschmiedemeister Friedrich Wilhelm Kraemer sein Juwelier- und Uhrengeschäft in der Saarbrücker Bahnhofstraße. Sein Urenkel Gerd Hofer machte sich über Jahrzehnte in der Schweizer Uhrenindustrie einen Namen – bei Milus, Kelek, Corum und Revue-Thommen. Gemeinsam mit seiner Frau Gitta erwarb er 1993 die Markenrechte an NIVREL und baute die Produktion in Saarbrücken neu auf. Es entstand ein Unternehmen, das sich bewusst klein und familiär verstand – und ein Produkt, das ein eigenes Genre begründete: die deutsche Uhr mit dem Schweizer Tick. Schweizer Rohwerke bester Qualität, in Deutschland funktional erweitert, von Hand finissiert und veredelt – gefertigt an einem Standort, dessen frankophile Kultur und Nähe zu Frankreich und zur Schweiz jeder Uhr etwas mitgegeben haben, das sich nicht in technischen Daten ausdrücken lässt.
Die zweite Generation
2008 stellte der plötzliche Tod von Gerd Hofer die Familie vor eine Entscheidung. Tochter Anja Hofer, promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin, übernahm gemeinsam mit ihrer Mutter Gitta die Geschäftsführung – an ihrer Seite ihr Mann Guido Grohmann. Beide kamen aus einem anderen unternehmerischen Umfeld, und eigentlich war nie geplant, die Marke langfristig zu führen. Doch aus der familiären Verantwortung wurde Begeisterung, aus der Begeisterung eine Leidenschaft: Die Kollektionen wurden ausgebaut, die Editionen Héritage, Réplique und Plongeur geschärft, und mit der Edition Pièce Unique entstanden Einzelstücke, die das Uhrmacherhandwerk mit der Goldschmiedekunst der Familie vereinten. NIVREL suchte sein Glück konsequent in der Nische – abseits des Mainstreams der großen Luxuskonzerne, ohne teure Markenbotschafter und künstliche Verknappung, dafür mit ehrlicher Substanz zu realistischen Preisen. Diese Strategie ging auf: NIVREL fand seine Sammler und Liebhaber weit über die Region hinaus.
„NIVREL war nie einfach nur ein Unternehmen. Es war das Vermächtnis meines Vaters, ein Stück unserer Familie – und irgendwann unsere eigene Leidenschaft. Genau deshalb wollen wir diesen Abschied so gestalten, wie wir die Marke immer geführt haben: anständig, persönlich und mit Liebe zum Detail.“
— Dr. Anja Hofer, Geschäftsführerin
Ein Abschied zur richtigen Zeit
So sehr die Nische NIVREL getragen hat – der Familie war stets bewusst, dass eine unabhängige Marke im globalen Uhrenmarkt langfristig anders aufgestellt sein müsste. Diesen Weg sind Anja Hofer und Guido Grohmann bewusst nicht gegangen. Guido Grohmann verließ das Unternehmen bereits vor neun Jahren und leitet seither als Geschäftsführer den Bundesverband der deutschen Schmuck- und Uhrenindustrie. Auch Anja Hofer ist seit geraumer Zeit wieder in dem Berufsfeld tätig, das sie ursprünglich gelernt hat. Die Entscheidung, das Kapitel NIVREL nun zu schließen, ist deshalb kein Ergebnis einer Krise, sondern ein Entschluss aus einer Position der Stärke – zu einem Zeitpunkt, den die Familie selbst bestimmt.
„Ich habe diese Marke mit meinem Mann aufgebaut und mit meinen Kindern weitergeführt. Jetzt schließen wir dieses Kapitel gemeinsam – dankbar für jede einzelne Uhr, die unser Haus verlassen hat, und für jeden Menschen, der sie trägt.“
— Gitta Hofer, Geschäftsführerin
Was bis Juli 2027 geschieht
Der Abschied von NIVREL soll kein leises Verschwinden sein, sondern ein bewusst gestalteter letzter Akt. Bis Juli 2027 haben Sammler und Liebhaber die Gelegenheit, die letzten Uhren der Marke zu erwerben – über die E-Boutique auf nivrel.com und im Stammhaus bei Juwelier Kraemer in der Saarbrücker Bahnhofstraße. Jede dieser Uhren ist damit endgültig das, was NIVREL immer sein wollte: kein Gelegenheitskauf, sondern ein bleibender Wert – und nun auch ein Stück abgeschlossener Uhrengeschichte. Im Laufe des Jahres wird zudem ein großes Abschiedsfest die Geschichte der Marke feiern; der Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben. Alle laufenden Verpflichtungen werden vollständig erfüllt, und Kunden erhalten rechtzeitig Informationen darüber, wie Wartung und Service ihrer Uhren auch künftig sichergestellt werden.
Was bleibt
Mit der Marke endet nicht die Familiengeschichte. Juwelier Kraemer, seit 1891 in Saarbrücken und seit 1997 unter der Führung von Sven Hofer, besteht in fünfter Generation fort. NIVREL und Juwelier Kraemer waren immer ein familiäres Team – zwei Häuser, eine Haltung. Der Geist und die Leidenschaft für Präzision und Perfektion bei Schmuck und Uhren leben dort weiter.
„NIVREL und Juwelier Kraemer waren immer ein Team – zwei Häuser, eine Familie, eine Haltung. Unser Stammhaus bleibt, und mit ihm die Leidenschaft für feine Uhren und Schmuck, die unsere Familie seit 1891 antreibt.“
— Sven Hofer, Geschäftsführer Juwelier Kraemer
Und die Marke selbst? Ob NIVREL eines Tages zurückkehrt, wird die Zukunft zeigen. Eines allerdings lehrt ihre eigene Geschichte: Diese Marke ist schon einmal wiedergekehrt. Als Marvin und NIVREL Ende der 1970er Jahre vom Markt verschwanden, hätte niemand darauf gewettet, dass eine Familie aus dem Saarland ihr zwei Jahrzehnte später neues Leben einhauchen würde. Wer eine der letzten NIVREL trägt, trägt also nicht nur ein Stück deutsch-schweizerischer Uhrengeschichte am Handgelenk – sondern vielleicht auch ein Kapitel, das eines Tages weitergeschrieben wird. Mechanische Uhren haben schließlich eine schöne Eigenschaft: Man kann sie wieder aufziehen.
Weitere Informationen: NIVREL Uhren – Gerd Hofer GmbH | Dr. Anja Hofer | Telefon +49 (0) 681 584 6576 | Telefax +49 (0) 681 584 6584 | E-Mail: info@nivrel.com.


